Belichtung (3): Die Kunst der manuellen Belichtung

Diesen Beitrag teilen

Die Kunst der manuellen Belichtung

Belichtung

Fragen Sie einen professionellen Fotografen, welche Kameraeinstellungen er nutzt, lautet die Antwort überraschend oft: „Ich fotografiere im manuellen Modus.“ Blende und Verschlusszeit passt der Profi dabei je nach Situation dem vorherrschenden Licht an – wohlgemerkt von Hand. Offenbar vertraut er lieber auf seine Erfahrung, als auf die Automatik der Kamera.

Was können Sie daraus lernen?

Dass Profis häufig im M-Modus arbeiten, liegt an den immer wieder auftretenden Belichtungsfehlern von Kameras. Deren Belichtungssysteme werden zwar mit jeder Modellgeneration intelligenter, doch wird die Belichtung weiterhin anhand von vordefinierten Standardwerten berechnet. Ein Profi muss jedoch mehr liefern als Standard. Viele Auftraggeber engagieren ihn ja gerade deswegen, weil sie seine besondere Sichtweise, „sein Auge“, oder seine außergewöhnliche Technik schätzen. Beides kann eine auf Standard geeichte Automatik nicht leisten.

Warum auch Sie im M-Modus fotografieren sollten:

Es gibt viele Gründe, die Wahl von Blende und Belichtungszeit nicht der Kamera zu überlassen. So können Sie, wenn Sie diese Einstellungen selbst vornehmen, nicht nur typische Belichtungsfehler vermeiden, sondern auch die erforderliche Belichtungskorrektur quasi in einem Aufwasch miterledigen.
Das A und O beim manuellen Belichten sind Erfahrungswerte. Diese werden Sie sich nach und nach aneignen. Lassen Sie sich also nicht entmutigen, wenn Sie anfangs häufiger daneben liegen. Mit jedem Fehler lernen Sie hinzu, und schon bald werden Sie in der Lage sein, das Licht mit bloßem Auge annähernd genau einzuschätzen.

Manuell belichten: So geht’s

Die Belichtung manuell einzustellen, erscheint auf den ersten Blick kompliziert – immerhin müssen drei Belichtungsparameter aufeinander abgeglichen werden: Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert. Gewöhnen Sie sich daher an, zuerst zwei Parameter festzulegen und dann die Belichtung über den dritten Parameter anzupassen. An zwei praktischen Beispielen lässt sich das Vorgehen Schritt für Schritt veranschaulichen.

In jedem Fall sollten Sie zuerst den ISO-Wert festlegen. Orientieren Sie sich dabei grob an folgenden Werten:

•    Sonnenschein: ISO 100-125
•    Bewölkt: ISO 200
•    Schatten: ISO 400

Beispiel 1: Landschaftsaufnahme. Um das Motiv von vorne bis hinten scharf darzustellen, brauchen Sie eine große Schärfentiefe, die Sie über eine kleine Blendenöffnung erreichen. Im ersten Schritt wählen Sie demnach die Blende, zum Beispiel f/11. Danach passen Sie die Belichtungszeit an, bis die Markierung auf der Belichtungsskala im Sucher in der Mitte steht. Achten Sie darauf, dass der Zeit-Wert in etwa dem Umkehrwert der Kleinbild-Brennweite entspricht, also 1/60 Sek. bei 50mm, 1/250 Sek. bei 200mm etc. Ist die Zeit länger, erhöhen Sie entweder die ISO-Empfindlichkeit oder fotografieren Sie mit Stativ.

Beispiel 2: Sportaufnahme. Um die schnellen Bewegungen der Sportler scharf einzufangen, brauchen Sie eine möglichst kurze Verschlusszeit, zum Beispiel 1/500 Sek. Zudem können Sie damit Verwacklungsunschärfe vermeiden, die bei Aufnahmen mit Telebrennweite besonders häufig auftritt. Im zweiten Schritt passen Sie nun die Blende an, bis sich die Markierung auf der Belichtungsskala wiederum in der Mitte befindet. Falls die Kamera eine Unterbelichtung anzeigt, obwohl Sie die Blende bereits voll geöffnet haben, erhöhen Sie den ISO-Wert. Bei Sportaufnahmen sind Empfindlichkeiten von ISO 1250 oder 1600 keine Seltenheit.

Extra-Tipp: Ist das Bild zu dunkel oder zu hell, können Sie die Belichtung im manuellen Modus ganz einfach korrigieren, indem Sie den zuletzt eingestellten Wert nach oben bzw. unten variieren. Auf der Belichtungsskala wird dann eine leichte Über- oder Unterbelichtung angezeigt, die dem Wert der Belichtungskorrektur entspricht.

Alle Theorie ist gut, doch erst die Praxis macht den Meister. Fotografieren Sie also fortan möglichst oft im manuellen Modus. Ideal zum Üben sind Situationen, bei denen Sie entweder ausreichend Zeit für ein Motiv haben (Landschaft, Architektur), oder in denen sich das Licht kaum verändert (Sportplatz, Porträtshooting).

Wir wünschen viel Spaß beim Experimentieren mit Blende und Verschlusszeit. Mit etwas Geduld und Ausdauer werden Sie schon bald in der Lage sein, die Belichtung wie ein Profi einzustellen.

Ähnliche Artikel