Bildaufbau (2): Raum und Leerraum

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Raum und Leerraum

Bildaufbau

Der Bildaufbau ist der Schlüssel zu einem guten Bild. In der ersten Folge unserer Bildaufbau-Serie haben wir uns mit dem Sucher als Gestaltungsmittel in der Fotografie befasst. Ein guter Fotograf nutzt den Sucherrahmen bewusst, um bestimmte Elemente in das Bild zu integrieren oder sie auszuschließen. Diesmal geht es um ein weiteres grundlegendes Gestaltungsprinzip: den Raum, den Sie Ihrem Motiv innerhalb des Bildrahmens geben.

Position im Bildrahmen

Starten wir mit einer kleinen Aufgabe: Nehmen Sie sich Ihren Lieblings-Bildband oder ein Magazin, und betrachten Sie eines der Fotos intensiv. Machen Sie sich bewusst, was Sie darauf sehen. Was ist das Hauptmotiv? Wie ist es im Bild angeordnet?

Sie werden feststellen, dass ein Bild seine Kraft selten alleine aus dem Hauptmotiv heraus entwickelt. Entscheidend ist vielmehr, wie sich dieses zum Bildrahmen verhält. Denn der Betrachter liest „zwischen den Zeilen“, der tiefere Sinn des Bildes erschließt sich ihm meist erst aus der Anordnung der Bildelemente. Das Hauptmotiv kann dabei groß oder klein, angeschnitten oder komplett zu sehen sein.

Hauptmotiv im Kontext

Sobald Sie wissen, was Ihr Hauptmotiv ist, gehen Sie gedanklich einen Schritt zurück. Überlegen Sie, was Sie mit der Aufnahme zum Ausdruck bringen wollen. Das kann zum Beispiel konkret die Größe eines Gebäudes sein, oder im übertragenen Sinne die Verletzlichkeit eines Menschen.

Aus diesen Gedanken heraus entsteht unwillkürlich eine erste Bildidee. Zeigen Sie das Haus formatfüllend, füllt es den Raum aus. Positionieren Sie den Menschen klein am unteren Bildrand, wird dieser vom Leerraum hingegen regelrecht „erdrückt“.

Durch die Größe und Position des Hauptmotivs im Bildrahmen können Sie die Aussage des Bildes entscheidend verändern. Der Raum um Ihr Hauptmotiv herum verleiht einem Bild seine inhaltliche Tiefe.

Probieren Sie es aus: Machen Sie ein Foto, bei dem Sie das Hauptmotiv in der Bildmitte positionieren. Dann machen Sie ein weiteres, mit dem Hauptmotiv am Rand. Spielen Sie mit unterschiedlichen Abbildungsgrößen. Versuchen Sie, den Hintergrund bewusst als „Leerraum“ in den Bildaufbau zu integrieren.
Denken Sie beim Fotografieren fortan immer an den „Raum“. Wie Sie ihn nutzen und als Gestaltungsmittel einsetzen, hat direkten Einfluss auf die Bildaussage.

Das Bewusstsein, dass Sie dem Motiv mehr oder weniger Raum geben können, wird Ihren Blick schärfen. Und nach einiger Zeit werden Sie den Raum schließlich ganz intuitiv zum gezielten Bildaufbau nutzen.

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